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Energie & Management > Wasserstoff - Verbände drängen auf Kraftwerksstrategie
Timm Kehler, Kirsten Westphal und Gerald Linke mit ihrem Positionspapier zu "1 Jahr Transformationspfad neue Gase". Quelle: Claudius Pflug
Wasserstoff

Verbände drängen auf Kraftwerksstrategie

Einen klaren Rechtsrahmen und eine schnelle Entscheidung für wasserstofffähige Kraftwerke fordern die Branchenverbände BDEW, DVGW und Zukunft Gas, um den Wasserstoffhochlauf anzufachen.
Im Mai vergangenen Jahres hatten sie gemeinsam das Konzeptpapier „Transformationspfad für die neuen Gase – Wege zu einem resilienten und klimaneutralen Energiesystem 2045“ vorgelegt. Im August 2023 übergaben die Verbände BDEW, DVGW und Zukunft Gas ihren Entwurf für eine Transformation der heutigen Gaswirtschaft an das Bundeswirtschaftsministerium (wir berichteten). An diesem 27. Juni zogen sie nun Bilanz, was sich seitdem mit Blick auf den Hochlauf einer Wasserstoff-Wirtschaft getan hat.

Ihre erste Einschätzung fällt positiv aus. So seien etwa mit dem Entschluss für das etwa 9.700 Kilometer lange und rund 19,8 Milliarden Euro kostende deutsche Wasserstoff-Kernnetz ein „Meilenstein“ erreicht worden. Ein entscheidendes Aufbruchsignal in die Branche sei damit gesendet worden, wie Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Gas, betonte. „Doch nun müssen wir sicherstellen, dass die notwendigen Investitionen getätigt werden und weitere politische Rahmenbedingungen insbesondere für den Handel von Wasserstoff geschaffen werden.“

Auch mit den Klimaschutzverträgen habe die Regierung klare Anreize für die Industrie gesetzt. Erst kürzlich hatte die EU-Kommission hierzu ihre beihilferechtliche Genehmigung hierfür erteilt (wir berichteten). Die Klimaschutzverträge gleichen Kostennachteile aus und sichern Preisrisiken von Investitionen in die Dekarbonisierung industrieller Prozesse ab, wodurch der Absatz von Wasserstoff stabiler und planbarer sein soll. Die Branchenverbände erachten dies als einen wichtigen Schritt, um Deutschland als Industrie- und Innovationsstandort zu modernisieren und klimafreundlich zu gestalten.

Kraftwerksstrategie nach wie vor eine Baustelle

Kritik übten die Verbände an der nur in Eckpunkten angekündigten Kraftwerksstrategie. Hier habe sich noch zu wenig getan. Dringend nötig für den Wasserstoff-Hochlauf seien eine weitere Ausgestaltung und vor allem ein klarer Rahmen, wie die zunächst geplante Kapazität von 10.000 MW wasserstofffähiger Gas-Kraftwerke finanziert werden soll.

Die Verbände warnen vor der Gefahr, dass − mit Blick auf die sichere Stromversorgung Deutschlands − Kohlekraftwerke länger in Betrieb sein müssen als geplant. Sowohl wasserstofffähige Gas-Kraftwerke als auch H2-ready-KWK-Anlagen seien sichere Abnehmer des Wasserstoffs und damit entscheidende Bausteine für den Hochlauf der Wasserstoff-Wirtschaft. 
 
Positionspapier „Die Transformation zu neuen Gasen hat begonnen und braucht politischen Rückenwind“
(zum Öffnen bitte auf das PDF klicken)
Quelle: BDEW, DVGW und Zukunft Gas

Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches, verwies auf verbandseigene Untersuchungen. Diese hätten gezeigt, „dass die neuen Gase in ausreichenden Mengen und zu tragbaren Kosten verfügbar sein können, wenn die politischen Weichen entsprechend gestellt werden“. Eine Umstellung der bestehenden Infrastruktur auf neue Versorgungsaufgaben sei dabei eine der zentralen Herausforderungen. 

Auch Kirsten Westphal von der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft betonte die Bedeutung der Kraftwerksstrategie: „Speicherfähige neue Gase und erneuerbaren Strom braucht es für die resiliente Transformation und ein klimaneutrales Energiesystem.“ Umso wichtiger sei es, dass der Bau von flexiblen H2-ready-Kraftwerken mit der angekündigten Kraftwerksstrategie angereizt wird, aber auch Speichermöglichkeiten aufgebaut werden.

Vor diesem Hintergrund rufen BDEW, DVGW und Zukunft Gas zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Energiewirtschaft, Industrie und Politik auf. Ihre Forderung: ein weiterführender Dialog, um gemeinsam die politischen Leitplanken zu aktualisieren und an tragfähigen Lösungen für den Transformationspfad zu arbeiten. Der enge Austausch mit den Abnehmern des Wasserstoffs sei hierfür unerlässlich. 

Ihre Position zum aktuellen Stand der Wasserstoff-Wirtschaft haben die drei Verbände in einem achtseitigen Papier zusammengefasst. Das Positionspapier „Die Transformation zu neuen Gasen hat begonnen und braucht politischen Rückenwind“ ist im Internet downloadbar. 

Donnerstag, 27.06.2024, 13:30 Uhr
Davina Spohn
Energie & Management > Wasserstoff - Verbände drängen auf Kraftwerksstrategie
Timm Kehler, Kirsten Westphal und Gerald Linke mit ihrem Positionspapier zu "1 Jahr Transformationspfad neue Gase". Quelle: Claudius Pflug
Wasserstoff
Verbände drängen auf Kraftwerksstrategie
Einen klaren Rechtsrahmen und eine schnelle Entscheidung für wasserstofffähige Kraftwerke fordern die Branchenverbände BDEW, DVGW und Zukunft Gas, um den Wasserstoffhochlauf anzufachen.
Im Mai vergangenen Jahres hatten sie gemeinsam das Konzeptpapier „Transformationspfad für die neuen Gase – Wege zu einem resilienten und klimaneutralen Energiesystem 2045“ vorgelegt. Im August 2023 übergaben die Verbände BDEW, DVGW und Zukunft Gas ihren Entwurf für eine Transformation der heutigen Gaswirtschaft an das Bundeswirtschaftsministerium (wir berichteten). An diesem 27. Juni zogen sie nun Bilanz, was sich seitdem mit Blick auf den Hochlauf einer Wasserstoff-Wirtschaft getan hat.

Ihre erste Einschätzung fällt positiv aus. So seien etwa mit dem Entschluss für das etwa 9.700 Kilometer lange und rund 19,8 Milliarden Euro kostende deutsche Wasserstoff-Kernnetz ein „Meilenstein“ erreicht worden. Ein entscheidendes Aufbruchsignal in die Branche sei damit gesendet worden, wie Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Gas, betonte. „Doch nun müssen wir sicherstellen, dass die notwendigen Investitionen getätigt werden und weitere politische Rahmenbedingungen insbesondere für den Handel von Wasserstoff geschaffen werden.“

Auch mit den Klimaschutzverträgen habe die Regierung klare Anreize für die Industrie gesetzt. Erst kürzlich hatte die EU-Kommission hierzu ihre beihilferechtliche Genehmigung hierfür erteilt (wir berichteten). Die Klimaschutzverträge gleichen Kostennachteile aus und sichern Preisrisiken von Investitionen in die Dekarbonisierung industrieller Prozesse ab, wodurch der Absatz von Wasserstoff stabiler und planbarer sein soll. Die Branchenverbände erachten dies als einen wichtigen Schritt, um Deutschland als Industrie- und Innovationsstandort zu modernisieren und klimafreundlich zu gestalten.

Kraftwerksstrategie nach wie vor eine Baustelle

Kritik übten die Verbände an der nur in Eckpunkten angekündigten Kraftwerksstrategie. Hier habe sich noch zu wenig getan. Dringend nötig für den Wasserstoff-Hochlauf seien eine weitere Ausgestaltung und vor allem ein klarer Rahmen, wie die zunächst geplante Kapazität von 10.000 MW wasserstofffähiger Gas-Kraftwerke finanziert werden soll.

Die Verbände warnen vor der Gefahr, dass − mit Blick auf die sichere Stromversorgung Deutschlands − Kohlekraftwerke länger in Betrieb sein müssen als geplant. Sowohl wasserstofffähige Gas-Kraftwerke als auch H2-ready-KWK-Anlagen seien sichere Abnehmer des Wasserstoffs und damit entscheidende Bausteine für den Hochlauf der Wasserstoff-Wirtschaft. 
 
Positionspapier „Die Transformation zu neuen Gasen hat begonnen und braucht politischen Rückenwind“
(zum Öffnen bitte auf das PDF klicken)
Quelle: BDEW, DVGW und Zukunft Gas

Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches, verwies auf verbandseigene Untersuchungen. Diese hätten gezeigt, „dass die neuen Gase in ausreichenden Mengen und zu tragbaren Kosten verfügbar sein können, wenn die politischen Weichen entsprechend gestellt werden“. Eine Umstellung der bestehenden Infrastruktur auf neue Versorgungsaufgaben sei dabei eine der zentralen Herausforderungen. 

Auch Kirsten Westphal von der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft betonte die Bedeutung der Kraftwerksstrategie: „Speicherfähige neue Gase und erneuerbaren Strom braucht es für die resiliente Transformation und ein klimaneutrales Energiesystem.“ Umso wichtiger sei es, dass der Bau von flexiblen H2-ready-Kraftwerken mit der angekündigten Kraftwerksstrategie angereizt wird, aber auch Speichermöglichkeiten aufgebaut werden.

Vor diesem Hintergrund rufen BDEW, DVGW und Zukunft Gas zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Energiewirtschaft, Industrie und Politik auf. Ihre Forderung: ein weiterführender Dialog, um gemeinsam die politischen Leitplanken zu aktualisieren und an tragfähigen Lösungen für den Transformationspfad zu arbeiten. Der enge Austausch mit den Abnehmern des Wasserstoffs sei hierfür unerlässlich. 

Ihre Position zum aktuellen Stand der Wasserstoff-Wirtschaft haben die drei Verbände in einem achtseitigen Papier zusammengefasst. Das Positionspapier „Die Transformation zu neuen Gasen hat begonnen und braucht politischen Rückenwind“ ist im Internet downloadbar. 

Donnerstag, 27.06.2024, 13:30 Uhr
Davina Spohn

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