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Energie & Management > Speicher - Wärmespeicher müssen großflächig in die Industrie
Beispiel eines neuen metallischen Wärmespeichers zur Erzeugung von Prozessdampf für die Industrie. Quelle: Fraunhofer Umsicht
Speicher

Wärmespeicher müssen großflächig in die Industrie

Thermische Speicher könnten das Netz entlasten und die Stromkosten in der Industrie senken. Großflächig im Einsatz sind sie nicht. Eine Wärmespeicher-Strategie des BMWK soll das ändern.
Im Gebäudebereich – hier vor allem in Wärmenetze eingebunden – sind thermische Speicher bekannt und werden bundesweit genutzt. In der Industrie könnten sie ebenfalls gute Dienste leisten, sowohl für Wärme- als auch für Kälteanwendungen. Dort könnten sie den Strombezug und damit die Kosten effizient senken.

Zudem sind thermische Speicher netzdienlich und würden helfen, den Anteil an erneuerbaren Energien im Wärmesektor zu erhöhen. Doch in der Industrie sind sie noch selten anzutreffen. Das hat mehrere Gründe, wie Referentinnen und Referenten aus Industrie, Politik und Forschung am 28. ​Juni in Berlin auf einer Konferenz des Bundesverbands Energiespeicher Systeme (BVES) aufzeigten. Titel: „Thermische Speicher für die Wärmewende“.

Thermische Speicher gelten als großer Hebel für die Dekarbonisierung des Wärmesektors. Der Grund: Fast 75 Prozent des industriellen Energiebedarfs entfällt nach Zahlen des BVES auf die Erzeugung von Wärme. Fast zwei Drittel davon liegen im Bereich der Hochtemperatur über 250 Grad Celsius. Die benötigte Endenergie-Form ist also weitgehend Prozesswärme und nicht Strom. Zugleich ist Wärme beim Endenergie-Bedarf für mehr als 50 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich.

Knackpunkt beim Einsatz thermischer Speicher ist auch nicht die Technologie, so das Credo der Referenten auf dem BVES-Kongress, auf dem auch Vertreter des Bundestages sowie des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWK) teilnahmen.

Auch wenn es die eine Standardlösung gerade für Prozesswärme-Anwendungen mit hohen Temperaturen auch künftig nicht geben wird, so Stefan Zunft, Fachgebietsleiter Thermische Kraftwerkskomponenten beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR): „Dafür sind die Anforderungen in den Industriesektoren zu heterogen.“ Diese Speichertechnologien seien aber bereits heute kommerziell erhältlich oder würden momentan entwickelt werden.
 
 
Strombezugs-Kosten müssen runter

Probleme sieht man in der Branche hingegen in zwei Punkten:
  • Vielfach sind in kleineren Industrieunternehmen die Vorteile der thermischen Speicher schlicht noch nicht bekannt genug, und sie rechnen sich nicht überall – gerade in Deutschland seien dafür paradoxerweise die Strombezugs-Kosten zu hoch. Bei der Bekanntheit und der richtigen Wahl des Speichers können zum Beispiel Demonstrationsvorhaben in Industriebetrieben gute Dienste leisten, so Zunft. Zudem sei es wesentlich, Power-to-Heat-Technologien weiterzuentwickeln. Dazu gehören für den Wissenschaftler nicht nur Industrie-Wärmepumpen, sondern auch Heiztechnologien für Temperaturen oberhalb von 1.000 Grad Celsius.
  • Die Wettbewerbsfähigkeit von thermischen Speichern hängt aber nach Ansicht von mehreren Referenten, darunter Maria Vasconcelos, Co-CEO der Lumenion GmbH, hierzulande von den Strombezugs-Kosten ab. Wenn die Industrie größtenteils elektrifiziert werden soll, komme man an Speichern nicht vorbei. Hier müsse aber dringend künftig sichergestellt werden, dass die Eigenversorgung einfacher wird und dass „alle Strompreiskomponenten bezahlbar und planbar gestaltet werden“, appellierte die CEO.
BMWK setzt auf „Dreiklang“ bei Förderregime

Beim Thema Geld setzte in ihrem Statement auch Beate Baron an, die Unterabteilungsleiterin „Klima- und Umweltschutz in der Industrie“ im BMWK. Die Dekarbonisierung der Industrie „kostet viel Geld“, so Baron. Speicher in der Industrie seien in diesem Zusammenhang für die nötige Flexibilität im Energiesystem unverzichtbar. Daher setze das BMWK zum einen auf Investitionsanreize, wie etwa weiter auf den Emissionshandel, aber auch auf einen „Dreiklang“ bei den Förderungen: Dazu zählte Baron die Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW), auf die Klimaschutzverträge für große Industrien sowie auf die Bundesförderung Industrie und Klimaschutz (BIK), die erst im April die beihilferechtliche Genehmigung von der Europäischen Kommission erhalten hat.

Unions-MdB skeptisch bei Wasserstoff-Umstellung

Seitens der CDU/CSU-Opposition forderte bei der BVES-Konferenz MdB Maria-Lena Weiss eine zügige Umsetzung der angekündigten Speicherstrategie. Es brauche zudem faire gesetzliche Rahmenbedingungen. Und: „Die Politik muss sich disziplinieren“ in puncto Investitionssicherheit, sagte Weiss. In Richtung der Industrie warnte die Politikerin und Juristin mit Schwerpunkt Energierecht davor, darauf zu warten, in einigen Jahren „einfach Erdgas gegen Wasserstoff“ tauschen zu können. Dies werde in den nächsten Jahren wohl keine umsetzbare Lösung sein. Andere Technologien zur Dekarbonisierung seien jedoch da und sollten jetzt zügig eingesetzt werden.

Donnerstag, 27.06.2024, 16:16 Uhr
Heidi Roider
Energie & Management > Speicher - Wärmespeicher müssen großflächig in die Industrie
Beispiel eines neuen metallischen Wärmespeichers zur Erzeugung von Prozessdampf für die Industrie. Quelle: Fraunhofer Umsicht
Speicher
Wärmespeicher müssen großflächig in die Industrie
Thermische Speicher könnten das Netz entlasten und die Stromkosten in der Industrie senken. Großflächig im Einsatz sind sie nicht. Eine Wärmespeicher-Strategie des BMWK soll das ändern.
Im Gebäudebereich – hier vor allem in Wärmenetze eingebunden – sind thermische Speicher bekannt und werden bundesweit genutzt. In der Industrie könnten sie ebenfalls gute Dienste leisten, sowohl für Wärme- als auch für Kälteanwendungen. Dort könnten sie den Strombezug und damit die Kosten effizient senken.

Zudem sind thermische Speicher netzdienlich und würden helfen, den Anteil an erneuerbaren Energien im Wärmesektor zu erhöhen. Doch in der Industrie sind sie noch selten anzutreffen. Das hat mehrere Gründe, wie Referentinnen und Referenten aus Industrie, Politik und Forschung am 28. ​Juni in Berlin auf einer Konferenz des Bundesverbands Energiespeicher Systeme (BVES) aufzeigten. Titel: „Thermische Speicher für die Wärmewende“.

Thermische Speicher gelten als großer Hebel für die Dekarbonisierung des Wärmesektors. Der Grund: Fast 75 Prozent des industriellen Energiebedarfs entfällt nach Zahlen des BVES auf die Erzeugung von Wärme. Fast zwei Drittel davon liegen im Bereich der Hochtemperatur über 250 Grad Celsius. Die benötigte Endenergie-Form ist also weitgehend Prozesswärme und nicht Strom. Zugleich ist Wärme beim Endenergie-Bedarf für mehr als 50 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich.

Knackpunkt beim Einsatz thermischer Speicher ist auch nicht die Technologie, so das Credo der Referenten auf dem BVES-Kongress, auf dem auch Vertreter des Bundestages sowie des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWK) teilnahmen.

Auch wenn es die eine Standardlösung gerade für Prozesswärme-Anwendungen mit hohen Temperaturen auch künftig nicht geben wird, so Stefan Zunft, Fachgebietsleiter Thermische Kraftwerkskomponenten beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR): „Dafür sind die Anforderungen in den Industriesektoren zu heterogen.“ Diese Speichertechnologien seien aber bereits heute kommerziell erhältlich oder würden momentan entwickelt werden.
 
 
Strombezugs-Kosten müssen runter

Probleme sieht man in der Branche hingegen in zwei Punkten:
  • Vielfach sind in kleineren Industrieunternehmen die Vorteile der thermischen Speicher schlicht noch nicht bekannt genug, und sie rechnen sich nicht überall – gerade in Deutschland seien dafür paradoxerweise die Strombezugs-Kosten zu hoch. Bei der Bekanntheit und der richtigen Wahl des Speichers können zum Beispiel Demonstrationsvorhaben in Industriebetrieben gute Dienste leisten, so Zunft. Zudem sei es wesentlich, Power-to-Heat-Technologien weiterzuentwickeln. Dazu gehören für den Wissenschaftler nicht nur Industrie-Wärmepumpen, sondern auch Heiztechnologien für Temperaturen oberhalb von 1.000 Grad Celsius.
  • Die Wettbewerbsfähigkeit von thermischen Speichern hängt aber nach Ansicht von mehreren Referenten, darunter Maria Vasconcelos, Co-CEO der Lumenion GmbH, hierzulande von den Strombezugs-Kosten ab. Wenn die Industrie größtenteils elektrifiziert werden soll, komme man an Speichern nicht vorbei. Hier müsse aber dringend künftig sichergestellt werden, dass die Eigenversorgung einfacher wird und dass „alle Strompreiskomponenten bezahlbar und planbar gestaltet werden“, appellierte die CEO.
BMWK setzt auf „Dreiklang“ bei Förderregime

Beim Thema Geld setzte in ihrem Statement auch Beate Baron an, die Unterabteilungsleiterin „Klima- und Umweltschutz in der Industrie“ im BMWK. Die Dekarbonisierung der Industrie „kostet viel Geld“, so Baron. Speicher in der Industrie seien in diesem Zusammenhang für die nötige Flexibilität im Energiesystem unverzichtbar. Daher setze das BMWK zum einen auf Investitionsanreize, wie etwa weiter auf den Emissionshandel, aber auch auf einen „Dreiklang“ bei den Förderungen: Dazu zählte Baron die Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW), auf die Klimaschutzverträge für große Industrien sowie auf die Bundesförderung Industrie und Klimaschutz (BIK), die erst im April die beihilferechtliche Genehmigung von der Europäischen Kommission erhalten hat.

Unions-MdB skeptisch bei Wasserstoff-Umstellung

Seitens der CDU/CSU-Opposition forderte bei der BVES-Konferenz MdB Maria-Lena Weiss eine zügige Umsetzung der angekündigten Speicherstrategie. Es brauche zudem faire gesetzliche Rahmenbedingungen. Und: „Die Politik muss sich disziplinieren“ in puncto Investitionssicherheit, sagte Weiss. In Richtung der Industrie warnte die Politikerin und Juristin mit Schwerpunkt Energierecht davor, darauf zu warten, in einigen Jahren „einfach Erdgas gegen Wasserstoff“ tauschen zu können. Dies werde in den nächsten Jahren wohl keine umsetzbare Lösung sein. Andere Technologien zur Dekarbonisierung seien jedoch da und sollten jetzt zügig eingesetzt werden.

Donnerstag, 27.06.2024, 16:16 Uhr
Heidi Roider

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